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Fotokunst

30.12. – 02.01. – Greenwell Point

30.12. – 02.01. – Greenwell Point

Nach dem x-ten Versuch haben wir endlich Glück und finden nach einigen unerfreulichen Telefonaten doch noch einen Campsite in der Nähe der Küste, der Platz für uns hat. Zwar nicht direkt am Strand wie erhofft, sondern etwas mehr Inland an einer Flussmündung, was sich aber eher wie ein Bodden anfühlt. Da es sicherlich über den Jahreswechsel immer schwieriger werden wird, buchen wir uns vorsichtshalber direkt für 3 Nächte ein. Am 01.01. aufzubrechen macht sicherlich keinen Sinn…

Der Platz ist herrlich relaxt mit einer Mischung aus Dauercampern (Altenteil?) und Campern, die offenbar die Weihnachtszeit hier verbringen – die meisten sind Angler, oder zumindest mit einem Boot da. Wir bekommen „nur“ einen Grasplatz, also ohne diese blöde  Betonplatte. Das ist dadurch zwar nicht hundertprozentig gerade, aber dennoch in unseren Augen viel schöner. Und das Beste: Direkt hinter uns fangen die Mangroven an. Dadurch haben wie das Gefühl, direkt im Grünen zu stehen. Toll! Unser Nachbar Paul entpuppt sich als richtig dufter Kumpel: total Kinderlieb und vor allem extrem hilfsbereit und super nett. Aussis sind ja generell sehr relaxte und nette Zeitgenossen, aber er ist doch noch mal eine Steigerung! Nachdem wir ein wenig geplauscht haben, bietet er mir spontan sein  Surfbrett und seine Angel an – ich könnt ja beides am kommenden Tag mal ausprobieren, er müsse ja eh arbeiten… Hammer, oder?

Am ersten Tag relaxen wir, planschen mit Nora im Pool, die einen Heidenspaß hat und gar nicht mehr rauskommen mag. Ist ja auch kein Wunder, denn der Wind bläst schon ordentlich und da wird einem natürlich kalt. Nachmittags schlackere ich mit Nora rüber zu einer Austernfarm und hole uns ein Dutzend frische Rock Oysters beim Australien und Weltmeister Jim Irgendwas. Wofür es alles Meisterschaften gibt, ist schon verrückt. Aber diese Austern sind wirklich der Hammer! Total lecker! Mit etwas Limette (geht statt Zitrone auch ganz gut) und einem Glas kalten Weisswein. Geiler Snack! Abends schmeissen wir Steaks und Gemüse auf den Grill, nachdem wir das Missverständnis mit dem nicht funktionierenden Gasgrill gelöst haben (das mit den Münzgrößen hier ist schon verwirrend – je kleiner der Wert, desto größer die Münze… so habe ich statt der 1er in 2 Grills jeweils eine 2-Doller-Münze geschmissen – natürlich ohne Erfolg…)

Den letzten Tag im Jahr gehen wir extrem relaxt an, denn für den geplanten Strandtag ist das Wetter zu schlecht. Es regnet zwar nicht, aber es ist halbwegs kühl. bedeckt und windig… Macht nichts, wir frühstücken spät, waschen eine Ladung Wäsche und springen in den Pool. Wir laufen nochmal rüber zu den Austernfarmern (und sind wahrscheinlich die einzigen, die da jemals hinlaufen und nicht fahren, aber das ist uns herzlich egal…) Leider ist Jim, bei dem wir gestern gekauft hatten, schon ausverkauft, daher machen die ihre Verkaufsstelle schon jetzt um 16 Uhr zu. Schade, aber es gibt ja hier noch eine ganze Reihe mehr. Am Nachbarstand gibts noch welche. Für einen Augenblick zögere ich, ob wir bei solch abgefuckten Typen wirklich Austern kaufen sollten, aber he, was soll‘s. Die Austern leben ja im Meer und nicht bei den Dudes in der Bude… Hier ist das Dutzend sogar noch günstiger – 10 AU$ statt den ohnehin in unseren Augen schon verdammt günstigen 15 bei Jim. Gut, die Muscheln sind auch etwas kleiner, aber ebenfalls sehr lecker. Wahnsinn. Wir gönnen uns dazu die andere Hälfte der Weissweinflasche von gestern (normalerweise lassen wir ja keine Reste übrig….;-) in der mittlerweile wieder rausgekrochenen Sonne. Na, das ist doch ein guter Start in den Silvesterabend, oder? Am späten Nachmittag kommt unser Nachbar Paul von der Arbeit und wir plauschen bei ein paar Bier. Da er schon unterwegs gegessen hat, grillen wir – trotz mehrmaligen Angebot doch zusammen essen zu können – allein unser Steak und das Gemüse und lassen es uns schmecken. Paul setzt sich aber wieder zu uns und wir haben echt einen sehr netten und lustigen Abend. Bei einigen Bier und vielen Anekdoten verfliegt die Zeit wie im Fluge und Ruck-Zuck ist es Mitternacht! Krasse, so lange haben wir es ja in diesem Urlaub noch gar nicht ausgehalten. Tja, und so schnell ist 2014 Geschichte! Während wir so plauschen, hecken wir noch einen Plan für den kommenden Tag aus: Paul nimmt sich spontan frei und fährt mit uns an den Strand, um mir zu zeigen, wie man surft. Nachmittags wollen wir dann mit den Boot rausfahren und angeln. Geiler Plan für den Start ins neue Jahr, oder?

Mit leichten Kopfschmerzen wachen wir gegen 8 Uhr morgens auf, Kein Wunder bei dem Pensum gestern… 😉 Und in Deutschland ist jetzt immer noch 2014. Verrückt… Nach dem Frühstück satteln wir die Hühner und düsen in Pauls 34 Jahre alten Landcruiser („for no money I would swap that old reliable girl“) Richtung Strand. Nicht ohne noch einen Abstecher zu machen, denn gestern Abend hat er ungläubig vernommen, dass wir in all den Wochen in Australien noch kein wildes Känguru gesehen haben. Mit dem Spruch „they are bloody everywhere“ verspricht er uns morgen definitiv welche zu sehen. Und – er hat Recht. Wir sehen eines, wenn auch etwas weiter weg. Aber immerhin. Es ist mittlerweile auch superheiss und es geht kaum ein Wind, da liegen die Viecher bestimmt auch nicht auf der Wiese rum, sondern im Bush im Schatten…

Kurze Zeit später sind wir am Strand. Der sieht natürlich wieder aus, wie aus dem Bilderbuch: feiner Sand, kilometerlange, leicht gebogene Bucht – und vor allem ordentliche Wellen. Aber Paul scheint nicht zufrieden: „Mate, these Waves are tiny, Man!“. Na, wenn er meint. In Deutschland sind bei der Dünung die Strände bestimmt schon gesperrt und ich soll mich jetzt gleich da mit dem Surfboard reinwerfen. Na wunderbar! Wir bauen erst mal die Strandmuschel für Nora auf und dann wagen wir uns ins Wasser. Paul erklärt mir ein paar Dinge – wie man zum Beispiel auf dem Weg nach draussen durch die Wellen hindurch taucht („Duck Dive“), wie man das Brett beim hinauslaufen hält und wie man am besten den Speed der Welle mitnimmt. Ich soll erst mal auf dem Bauch das „Feeling“ fürs Board bekommen und ein paar Wellen so absurfen. Natürlich missglücken die ersten Versuche und ich muss ganz schön mit den Wellen kämpfen, aber dann bekomme ich eine tolle Welle und das Board nimmt Speed auf. Wooooowwwwwww! Ab geht die wilde Fahrt. Da ist ein irres Gefühl und macht irrre Spaß! Tja, und dann heisst es wieder zurück gegen die Wellen nach draussen. Das ist wesentlich anstrengender, als ich mir das vorgestellt habe. Bei den Cracks sieht das immer so einfach aus, aber wenn man da selbst so paddelt. Mein lieber Schwan! Nach einiger Zeit bin ich völlig erledigt und lass mich von den Wellen an Land tragen. Pause! Zeit, um mit Nora Sandburgen zu bauen (bzw. ich baue und sie reisst ein…). Nach `ner halben Stunde muss ich nochmal raus, das macht echt süchtig! Da die Wellen noch größer geworden sind, halte ich es nicht allzu lang aus. Ein paar gute Wellen erwische ich, aber dann schüttelt es mich doch einmal so richtig durch. Wow, das war die Waschmaschine im Schleudergang! Blöderweise komme ich ausgerechnet mit meinem lädierten großen Zeh unten auf dem Grund auf. Mist, jetzt brauche ich eine Pause! Jetzt ist auch Paul angefixt, und will ein paar Wellen surfen. Ich finde, er macht das echt gut, aber in seinen Augen sind die „Waves still to full“ – was immer das auch heissen mag. Mich stört es nicht, denn über den Bodysurf-Status bin ich je eh noch nicht weg. Dennoch geh ich noch mal raus, aber mehr als 3 Anläufe packe ich nicht, bevor mir die Puste ausgeht. Mann, das paddeln gegen die Wellen und die Duck Dives sind echt anstrengend! Mittlerweile ist es auch halb Eins und wir beschließen, dass wir genug Sonne hatten. Insbesondere meine knallrote Nase zeugt davon…

Auf dem Rückweg besorgen wir noch Grillzeug, denn wir wollen Paul als Dank zum Essen einladen  – logischerweise zum Barbie… Trotz gutem Zureden, mag er doch kein Känguru probieren („Man, that´s shit! Never ever!“), daher entscheiden wir uns für ein „Scotch Fillet“ (eifrige Blogleser wissen jetzt auch, welches Steak das ist…) und holen als Starter noch 2 Dutzend Austern um die Ecke.

Leider hat der Wind mittlerweile ordentlich aufgefrischt, so dass ans rausfahren mit dem Boot nicht zu denken ist. Das wäre echt Schwachsinn. Also gut, springen wir in den Pool und kühlen uns erst mal ab, denn heiss genug ist es definitiv! Anschließend schnapp ich mir die Angel von Paul und versuche mein Glück vom Jetty. Und tatsächlich, nach ein paar Minuten habe ich einen am Haken – einen kleinen Flathead. Er ist aber untermaßig und darf weiterschwimmen. Der Wind ist so stark, das es glatt meine Bierdose auf dem Steg umwirft. Das macht wirklich keinen Spaß, und vor allem hat man so zu wenig Kontrolle über den Köder. Völlig egal, der erst Versuch war kein Schneider, und das zählt ja.

Nat hat mittlerweile das Gemüse vorbereitet, so dass wir direkt zum Grillen starten können, aber vorher genehmigen wir uns noch die Austern als Starter. Mhm, lecker! Anschließen wackeln wir gemeinsam zum BBQ und lassen die Steaks bei einem Bierchen schmirgeln. Ach, das ist ein tolles Gefühl! Beim Essen lassen wir den Tag Revue passieren und danken Paul für seine Hilfsbereitschaft. Echt ein dufter Typ!

Damit geht ein toller Tag zu Ende (und in diesem Fall sogar der erste es Jahres…). Und ich bin laut Nat vom „Säufer Boy“ zum „Surfer Boy“ mutiert. Na dann!